Die Ritter beim goldenen Kegelspiel auf der Rynachburg zu Mullwil

In den Luzerner Gauen, den Thälern wohlbekannt,

Liegt hart an Aargaus Grenze ein Ort, Mullwil genannt,

Dort steht ein stolzer Hügel, bekränzt mit Buchenwald,

Gekrönt mit moosigen Mauern, es weiss kein Mensch wie alt.

 

Dort herrschet Grabesstille, wenn hoch die Sonne steht,

Wenn Nacht die Thäler decket, ein schaurig Lüftchen weht,

Kalt überläufts den Wanderer, der spät des Wegs noch kommt,

Er spricht ein Vaterunser, das gegen Unfall frommt.

 

Denn oben auf dem Hügel, da regts sich oft bei Nacht,

Ein edler Ritter haltet im alten Schlosse Wacht.

Dem Sager in der Nähe, dem bot der fremde Mann

An manchem frühen Morgen ein Bund voll Schlüssel an.

 

Vor vielen grauen Jahren erklomm den Buchenrain

Ein Knab’ mit blonden Locken und heimste Reiser ein,

Im Schlosshof droben traf er manch’ hohen Recken an,

Die schoben lustig Kegeln auf einer Kegelbahn.

 

Der flinke Junge stellte den Herrn Kegel auf,

Bis bald die Sonn’ beendet am Himmel ihren Lauf;

Da trat zu ihm ein Ritter: „Sag an, mein Knabe werth,

Was du dir immer wünschest, es sei dein Wunsch gewährt!“

 

Der Junge denkt bescheiden, die Kugel möchte ich han,

Und spricht darum gar züchtig den Herrn Ritter an,

„Hättest du doch mehr begehrt, erhebt der Herr die Klag’,

In tausend Jahren haben wir Spieler nur einen Tag.“

 

Der Knab’ aber eilet zur Mutter frühlich heim.

Doch sieh! Was wirft die Kugel so wunderbaren Schein?

Wohl hatte nicht geahnt er solchen reichen Sold,

Denn seine Kugel glänzet daheim als ächtes Gold.

 

Der Schlüsselbund

Ein Ritter auf der gleichen Burgruine bietet oft dem Sager am Fusse der Burghalde am frühen Morgen einen Bund voll Schlüssel an mit dem Bedeuten, mit demselben grosse Schätze in der Ruine heben zu können. Der Sager, der Sache nicht trauend, fragt den Pfarrer in Rickenbache, der ihm solche Dinge verbietet..

 

Die Sage von der weissen Dame

Nachbaren der Burgruine wollen auch an gewissen Tagen ein weiss gekleidetes Edelfräulein mit dem obligaten Schlüsselbund am Gürtel im Schlosshof spazieren gehen gesehen haben.

 

Das Blattgold

Einst sammelten einige Mädchen der Umgegend am Burgrain Erdbeeren, da finden sie eine Wanne voll dürren, fahlen Laubes. Ein Mädchen nimmt ein solches Laub und heftet es an sein Kleid; wie das Kind heimkommt und auf das Blatt schauen will, ist es lauter Gold. Hätten die Kinder nur ein Pfand in die Wanne mit den Laubblättern geworfen, welch’ ein Glück für sie, die Blätter wären alle Gold und zugleich ihr Eigentum geworden.“

 

 

 

Quellenangabe:

Rickenbacher Jahresschrift 2008, Kevin Müller

Entnommen aus Estermann Melchior: Geschichte der Pfarrei Rickenbach. Verlag Gebrüder Räber 1882. S.175ff.